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Angefangen hat alles vor ca. 26 Jahren. Mein Bruder, mit dem ich immer noch zusammen lebe, konnte kaum krabbeln und schon hat er sich an der Stereoanlage meiner Eltern vergriffen. Seine Kindheit war dann auch geprägt, vom Verlagen, Dinge aufzuschrauben und zu flicken. Denn spätestens nach der erfolgreichen Oeffnung des Gehäuses waren die jeweiligen Geräte reparaturbedürftig.
Immerhin hat sich diese früh erkannte Begabung nun positiv ausgewirkt, da er jetzt Verkehrspilot ist und jeden Tag tausende von Knöpfen und Hebel betätigen darf.
Ich hatte bis anhin immer gedacht, dieser Technik-Fetischismus sei in den Genen meines Bruders und ich würde nicht davon befallen werden. Da habe ich mich aber krass getäuscht. Es ist ein Virus. Inzwischen ist dann auch unsere ganze WG davon befallen. So hat beispielsweise auch der sonst technisch uninteressierte Martin ein Zweit-Handy angeschaftt, ein Schnäppchen, wie er sagte. Mein Bruder hat sich dasselbe natürlich auch gleich reingezogen, sein Drittes übrigens. Der technische Overkill in unserem Haushalt nimmt inzwischen bedrohliche Ausmasse an. Alle Stromverbraucher gleichzeitig ansgeschlossen, bricht in unserem Dorf das Stromnetz zusammen. Kein Witz.
Inzwischen ziert jedes Zimmer ein PC und eine Steroeanlage, eine normales Phone und ein oder eben mehrere Handys. Letzten Monat habe ich dann auch, befallen von eben diesem Virus mit der Anschaffung eines neuen Verstärkers mein monatliches Budget einmal mehr gesprengt. Auch die Natel Rechnung spare ich mir vom Munde ab. Aber was soll man machen, der Verstärker war wirklich ein Schnäppchen, so dass ich nicht widerstehen konnte. Sagte mein Bruder auch, als er letzte Woche mit dem neuen GPS nach Hause kam, Und Martin hat sich ein neues Notebook gezogen, auch ein must-have.
Wir können einfach nichts dagegen tun. Der Virus regiert uns alle. Eine Messung der elektromagnetischen Strahlung in unserem Haus hat dann auch Resultate ergeben, die man sonst noch etwa bei Starkstromanlagen, Teilchenbeschleunigern oder im inneren eine Mirkowellenherds antrifft. Der Microwave ist daher bei uns obsolet geworden. Wir setzen uns ganz einfach, unsere vereinigten Handys alle auch dem Tische und der Frass ist binnen Sekunden heiss. So geht das.
So bleibt mir nun nur noch das einzige Problem. Wegen den ganzen Gerätschaften, die ich mir gekauft habe, fehlt mir das Geld für Esswaren. Ich werde mich demnächst einer neuartigen Operation unterziehen, so dass ich mich mit 220V 50 Hz Wechselstrom ernähren kann.